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Zeitenküsse

 

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Durch Wanderwelt der frischen Nebel,

bloß Almenklang und Licht

und kleine Splitter jenes Glücks,

das dieser Zeit beschieden ist.

 

Es ist, als schmiege sich die Zeit an mich,

süße Flüchtigkeit bleibt kleben,

und die Pracht der werdenden Farben

schmunzeln frech den Bäumen zu.

 

So leicht und schmiegsam wie ein Sommerkuss

zerblättert nun die Zeit,

denn das was war, ist Teil des Lebens

und was noch wird, das ist das Leben.


©Bild und Text Karin Kronreif

Sommernebel

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Der Sommer spannt sein helles Blau

weit über uns dahin

und Summen liegt wie Festgesang

in flirrend heißer Luft.

 

Wir fassen an das Blühen,

es hält und lässt sich streicheln,

und auch der Bäume Früchte,

Farne, die dicht und satt im Grün der Moose steh’n.

 

Sonnenstrahlen, die verspielt

durch gelbe Meere sickern,

der leise Wind,

der Baum und Strauch bewegt.

 

Das Leben trinkt

aus seinen reichsten Schalen,

wie lange wohl noch, und sie verweh’n

in den späten Nebel eines Sommers.


© Text: Karin Kronreif , Bild: Stephanie Mohr

 

Zitronenplaudereien

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Haiku (2)


Gespitzte Lippen

gieren einem Tropfen hin.

Zitronen schmunzeln.


Foto © Mohr,  Haiku ©Sugar


Warum die Zitronen sauer wurden (Heinz Erhardt)

https://youtu.be/FnnDR0BLr0I

Ich muss das wirklich mal betonen:

Ganz früher waren die Zitronen

(ich weiß nur nicht genau mehr, wann dies

gewesen ist) so süß wie Kandis.


Bis sie einst sprachen: „Wir Zitronen,

wir wollen groß sein wie Melonen!

Auch finden wir das Gelb abscheulich,

wir wollen rot sein oder bläulich!“


Gott hörte oben die Beschwerden

und sagte: „Daraus kann nichts werden!

Ihr müsst so bleiben! Ich bedauer!“

Da wurden die Zitronen sauer . . .

Der Jahreszeiten Schönheit

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Ich liebe sie,

die Frühlingsabende,

die Wiesen, weich und dunkel,

das zerschmelzende

und sich verdichtende Gewölk,

die Bäume, verweilend im Welken,

das erste, zarte Grün,

wispernd und zitternd

im steten Wechsel von Schatten und Licht.

Ich liebe das zögernde Scheiden der Sonne,

die Schleier aus versponnenem Dämmer,

die Stille der Erwartung.


Ich liebe sie,

die Sommerabende,

wenn durch Stunden und Worte,

die Natur den Atem verhält,

die Vögel im Flug verharren,

und die Wiesen ihren Duft

voller Träume,

würzig und goldgelb verströmen.

Ich liebe das blauflutende Zwielicht,

die Luft, die wie Seide mein Gesicht gestreift,

wenn der Pulsschlag der Nacht

langsam aus endlosen Weiten näher rückt.


Ich liebe sie,

die Abende des Herbstes,

noch einmal das Ersehnte,

die Träume, die Rosen und du,

und alles schon etwas flüchtig,

der Wind, das bunte und feuchte Laub,

die Sonne verrostend,

ein Abschluss, wenn auch nur in Dingen

und doch in Träume schwer.

Ich liebe diese Stunden,

der Traurigkeit nahe und doch

versucht, das Vergangene zu tragen.


Ich liebe sie,

die Winterabende,

den bange träumenden Mond,

den Frost,

der mich wie jähes Staunen trifft,

wenn die Haut die Kälte spürt,

und die Sehnsucht erwacht

nach Sonne und Licht,

dem Zauber der Pfirsichblüte,

nach Rose, Wiese und Klee.

Ich liebe das weiße Meer der Vergängnis

als das Tor

zu einem neuen Frühling.