Wald, Weib und Getier oder der Zauber einer Jahreszeit!

Die Natur schenkt uns oft faszinierende Augenblicke, auch dann, wenn wir diese vorerst gar nicht bewusst wahrnehmen. Wir wandern durch Wälder, genießen den Moment und erfreuen uns dem vielen Grün.

Plötzlich spüren wir etwas in unserem Gesicht…oder doch nicht? Kurz bleiben wir stehen und wollen es mit der Hand wegwischen aber eigentlich ist nichts da! Weiter gehen wir, abseits des kleinen Weges, um unser Verlangen nach dem Schönen zu stillen. Und da ist es wieder, irgendetwas haucht über unser Gesicht, unsere Hände versuchen dieses Etwas zu erhaschen, aber es ist nichts da, nichts das wir mit unseren Fingern berühren und erwischen könnten!

Unserer Blicke geschärft , so gehen wir weiter. Langsam legt sich der Hochnebel und Sonnenstrahlen beginnen durch das Grün zu brechen. Ein wunderschöner Tag und während wir träumend das alles bewundern, verzaubert ein Glänzen plötzlich den Wald. Wie von Elfenhand gewebt,  ziehen glitzernde Fäden von Baum zu Baum. Bewegen sich und verbinden sich. Wir bleiben stehen und staunen und entdecken eine Vielzahl von Netzen. Nicht von Elfen – nein – von Spinnen gemacht! In ungewöhnlich großer Zahl, fast so als wäre jeder Baum ein Teil des anderen. In traumhafter Genauigkeit, glitzernd und zart. Anmutig und fast triumphierend, das Spinnentier inmitten ihres Kunstwerks, sitzend.

Wir wollen gar nicht mehr weitergehen, um nicht diese Einzigartigkeit des Herbstes im Wald zu zerstören. Nun wissen wir auch, dass es Fäden waren, die unser Gesicht streiften und uns ist klar geworden, dass wir uns im „Altweibersommer“ befinden! Es gibt viele Legenden warum diese Zeit der Fäden und Netze so heißt. Die meistverbreitete Erzählung ist, dass diese glänzenden Spinnfäden an Haare alter Frauen erinnert – „alte Weiber“!

Ich habe da eine andere Theorie. Denn während ich noch immer staunend, mich auf einen alten Baumstumpf setzte, hatte ich plötzlich das Bedürfnis gar nicht mehr aus dem Wald rausgehen zu wollen. Mich einfach dem Zauber hinzugeben – zu beobachten wie die Spinnen weiter, Baum um Baum, Ast um Ast und Blatt um Blatt ihre Fäden ziehen. Und ich nahm mir vor, jedes Jahr um diese  Zeit, hier zu sein – so lange bis ich alt bin – ganz alt – ein altes Weiberl eben !!

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8 Kommentare zu “Wald, Weib und Getier oder der Zauber einer Jahreszeit!”

  1. Der Geist des Waldes hat viele Facetten. Wer dort in Stille hört, riecht oder spürt kann das große Bewusstsein der Bäume und Lebewesen erahnen. Ich bleibe mit dir dort sitzen …als Waldschrat 😉

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  2. Eigentlich mag ich Spinnen und ihre Netze gar nicht. Aber, liebe Sugar, du hast es so schön beschrieben, dadurch sieht man/ich es jetzt irgendwie mit anderen Augen. Danke für diese Geschichte!

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